Die Backsteinbaukunst

Seit etwa 7500 vor Christus ist die Verwendung von luftgetrockneten Lehmsteinen, so genannte Adobe, im östlichen Mittelmeerraum bekannt. In Knossos auf Kreta wurden erstmals gebrannte Ziegel gefunden, die auf 4000 vor Christus datiert werden. Über Griechenland und das Römische Reich gelangte die Technik zur Herstellung von gebrannten Ziegeln in den europäischen Kulturkreis. Die Römer verwendeten Ziegelsteine, die in Truppenziegeleien hergestellt wurden, auch schon in den germanischen Provinzen nördlich der Alpen. Mit dem Rückzug der Römer verschwand die Technik der Ziegel-Herstellung in Germanien.

Erst nach dem 8. Jahrhundert verbreitete sich die Technologie der Ziegel-Herstellung und -Verwendung durch Mönche weiter nach Norden und Osten. In den südlichen Teilen Deutschlands wurden Natursteine als bevorzugter Baustoff verwendet.

Besonders die Orden der Prämonstratenser und Zisterzienser verbreiteten die Backsteinbaukunst. Mitte des 12. Jahrhunderts sind die eindrucksvollen Bauten der Klöster Jerichow und Chorin entstanden.

Ziegler und Zieglerin Der Ziegler und die Zieglerin: Historische Darstellung des Ziegler-Berufs

Die Backsteinbaukunst blieb nicht nur auf die kirchlichen Bauten beschränkt, sondern wurde auch insbesondere in den Städten für besondere Bauten und im Burgenbau angewandt.

Die Technologie der Ziegel-Herstellung hat sich seit dem Mittelalter nicht grundlegend verändert. Erst die technischen Erfindungen seit dem 19. Jahrhundert brachten weitgehende Veränderungen in der Ziegel-Herstellung und machten die Ziegelsteine zu einem Massenprodukt.

Im 19. Jahrhundert wurde in Mecklenburg der Fachwerkbau durch die Massivbauweise abgelöst.

Folgende Einflüsse spielten eine Rolle:

  • Die staatliche Einflussnahme durch Verordnungen, Erlasse, Richtlinien und Gesetze
  • Die Einführung neuer, in Massen industriell produzierter und an fast jedem Ort ständig verfügbarer Baustoffe
  • Durch die Ausbildung von Bauhandwerkern an den Baugewerkeschulen seit etwa 1830, insbesondere aber seit 1870, standen genügend fachlich ausgewiesene Arbeitskräfte für diese neue Bauweise zur Verfügung.

In der Folge entstanden durch die Gewerbefreiheit und die Entwicklung moderner Produktionstechnologien in Mecklenburg viele Ziegeleien, so z. B. gab es 1888 insgesamt 128 Ziegeleien und 50 Kalkbrennereien.

Seit dem 20. Jahrhundert gab es Höhen und Tiefen für die Ziegelproduktion, wobei sich die Anzahl und Menge kontinuierlich abwärts bewegte. Das endgültige Aus für die meisten Ziegeleien erfolgte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Grund dafür waren nicht nur eine veränderte Baupraxis (u. a. Betonplattenbau im Wohnungswesen), sondern auch ausgehende Rohstoffe vor Ort sowie der Wechsel von der industriellen zur automatisierten Produktion (Ablösung des Ringofens durch den sogenannten Tunnelofen).

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